Meine 43 Führungstipps aus über 10 Jahren als Führungskraft

Ich glaube, der schlechteste Rat, den ich für Führung jemals bekommen habe, war: „Schau dir doch einfach an, wie Thomas* das macht. Der hat seine Abteilung im Griff.“

Ich war Ende 20, frisch in meiner ersten Führungsrolle, und ziemlich unsicher. Natürlich habe ich nach rechts und links geschaut, wie machen es die anderen. Ich habe mir auch angeschaut, wie Thomas das so macht mit seinem Team. Viele Fanden gut, wie er das so macht. Wenn ich nachfragte, warum er Dinge auf eine bestimmte Art und Weise löste, kam häufig die Antwort: “ Das macht man eben so als Führungskraft.“

Es dauerte nicht lange, dass ich merkte, mit diesem Führungsstil komme ich so gar nicht bei meinen Mitarbeitenden an und war in einem echten Dilemma. Meine Entscheidungen wurden hinterfragt, die Stimmung war nicht gut, alle waren ziemlich distanziert. Ich selbst hatte auch das Gefühl, dieser Führungsrolle nicht gerecht zu werden. Dazu kam, dass ich auch gar nicht davon überzeugt war, dass das die richtige Art ist zu führen? Aber wie dann?

Ich habe viel ausprobiert und mich selbst beobachtet, habe mir Feedback eingeholt und mich begleiten lassen. Hier kommt nun meine Tippsammlung mit 43 Tipps aus über 10 Jahren als Führungskraft. Diese Sammlung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat. Also schick mir doch gerne noch deinen Tipp.


Deinen eigenen Führungsstil finden

  1. Entwickle deinen eigenen Führungsstil, statt eine Rolle zu spielen, die nicht zu dir passt. Das ist nämlich viel zu anstrengend. Glaub mir, ich hab´s anfangs versucht, hat nicht geklappt.
  2. Nutze deine Werte und Stärken als Grundlage für deinen Führungsstil, Authentizität ist der Schlüssel für Akzeptanz durch deine Mitarbeitenden.
  3. Schreib dir selbst zu, dass du deine Rolle verdient hast, statt Erfolge nur äußeren Umständen zuzuschreiben. Ja, es gehört bestimmt auch Glück dazu – Können aber auch!
  4. Blockier dir wöchentlich 30 Minuten für Selbstreflexion über deine Führungsentscheidungen. Fehlende Zeit ist der häufigste Grund, warum sich bestimmte Verhaltensmuster einschleichen.
  5. Frag dich regelmäßig, ob sich deine Werte in deinen Entscheidungen widerspiegeln. Warum? Siehe 2. ⬆️
  6. Gib zu, wenn du dir unsicher bist oder nicht alles weißt. Du bist auch nur ein Mensch, der Hilfe suchen und annehmen darf.
  7. Triff Entscheidungen nach bestem Wissen, statt auf hundertprozentige Sicherheit zu warten. Stell dir die Frage: Was würdest du tun, wenn du keine Konsequenzen fürchten müsstest?
  8. Akzeptier, dass Führung für dich persönlich anstrengender sein kann als für andere. Das macht dich nicht ungeeigneter dafür.


Sichtbar werden, ohne dich zu verbiegen

  1. Teile deine Erfolge aktiv mit, statt darauf zu warten, entdeckt zu werden. Deine Führungskraft hat womöglich gar keine Zeit, dich ständig bei der Arbeit zu beobachten.
  2. Benenne deinen eigenen Anteil an einem Projekt konkret, statt Erfolge pauschal dem Team zuzuschreiben. Das heißt nicht, dass du dich in der Vordergrund spielen sollst, aber Kleinmachen musst du dich eben auch nicht. Nutze dabei die Wir-Ich-Formel: sag, was das Team gemacht hat, und was dein eigener Beitrag war.
  3. Nimm dir vor, in jedem Meeting mindestens einmal das Wort zu ergreifen. Natürlich sollte es ein sinnvoller Beitrag sein. Manchmal hilft genau so ein Ziel dabei, sich auch wirklich zu Wort zu melden.
  4. Teile auch laufende Prozesse und Lernschritte, nicht nur fertige Ergebnisse. Deine Führungskraft hat noch zig andere Themen auf dem Tisch. So bleibst du sichtbar und im Gedächtnis.
  5. Leg dir ein Erfolgsjournal an und trag deine Erfolge dort laufend ein. Sollte mal ein Rückschlag kommen, tut es gut, darin zu lesen.
  6. Setz dir für deine Sichtbarkeit ein konkretes Ziel mit Sechs-Monats-Horizont.
  7. Kommunizier deine Erfolge regelmäßig als Statusmeldung an deine eigene Führungskraft. Du denkst, sie weiß das doch schon? Mag sein, Wiederholung kann aber nicht schaden. 😉
  8. Sieh Netzwerken als Aufbau echter Beziehungen. Biete – wenn möglich – zuerst Hilfe an, bevor du etwas forderst. Siehe auch Netzwerke, Vorbilder und Verbündete.
  9. Find deine eigene Form von Sichtbarkeit: Fachartikel, LinkedIn-Beiträge, 1:1-Gespräche oder kurze Meeting-Beiträge, wenn dir große Gruppen nicht liegen.
  10. ZEIG dich! Ich weiß, vielleicht es dir unangenehm und einfach ungewohnt. Tu es trotzdem.
  11. Zeig DICH! Versuch nicht eine Rolle zu spielen, Authentizität gewinnt. Finde deinen Weg, auch für deine Sichtbarkeit und bleib dran.


Ziele setzen und dranbleiben

  1. Formuliere deine Ziele nach dem SMART-Prinzip. Hast du schon tausendmal gehört, ich weiß. Es macht wirklich Sinn, um nachhaltig Ziele zu erreichen.
  2. Formuliere Ziele positiv, statt sie als Vermeidungs-Vorsätze zu formulieren. Weg von „Ich will weniger essen“ hin zu „Ich ernähre mich bewusst und ausgewogen.“
  3. Schreib dein Ziel so auf, als hättest du es schon erreicht.
  4. Notier dir konkret, welche Ressourcen und Unterstützung du für dein Ziel brauchst. Große Ziele wirken oft überwältigend. Frag dich: Was fehlt mir noch? Welche Ressourcen, Fähigkeiten oder Unterstützung brauche ich? Welcher erste Mini-Schritt ist jetzt dran?
  5. Identifizier den ersten Mini-Schritt und starte sofort damit.
  6. Bau dir eine unterstützende tägliche oder wöchentliche Routine für dein Ziel auf. Neue Routinen lassen sich am besten implementieren, wenn sie an eine bereits bestehende angedockt werden.
  7. Plane realistisch und lass bewusst Raum für Unerwartetes. Denn meistens kommt es anders als man denkt.


Aufgaben abgeben und Verantwortung teilen

  1. Mach eine 80/20-Analyse: Dokumentier eine Woche lang deine Aktivitäten und sortiere sie nach Notwendigkeit – ausführlicher in Delegieren für Frauen in Führung.
  2. Delegiere Routineaufgaben und Aufgaben mit Lernpotenzial an dein Team.
  3. Behalte strategische Entscheidungen, Personalgespräche und vertrauliche Themen selbst. Das ist nämlich Aufgabe der Führungskraft.
  4. Wähle bewusst aus, wem du eine Aufgabe gibst. Delegieren bedeutet nicht, einfach die nächstbeste Person zu nehmen oder immer an dieselben „zuverlässigen“ Leute zu gehen. Frage dich: Wer hat die fachlichen Voraussetzungen? Wer würde durch diese Aufgabe wachsen? Wer hat aktuell die Kapazität? Wer zeigt Interesse an diesem Bereich? Wichtig: Delegiere auch an Mitarbeitende, die die Aufgabe noch nicht perfekt können. Genau so entsteht Entwicklung.
  5. Beantworte vor jeder Delegation schriftlich die 5 W-Fragen: Was, Warum, Wie, Bis wann, Welche Ressourcen. Die meisten Delegationen scheitern nicht an der Auswahl der Aufgabe oder Person, sondern an schwammiger Kommunikation.
  6. Formuliere Delegationen als klare Anweisung, nicht als unsichere Anfrage.
  7. Erklär nicht nur das Was und Wie, sondern auch das Warum und Wofür hinter einer Aufgabe.
  8. Leg feste Check-in-Termine fest und verzichte dazwischen aufs Mikromanagement.
  9. Beantworte Rückfragen mit Gegenfragen statt fertigen Lösungen.
  10. Gib nach Erledigung konstruktives Feedback. Dabei gilt bei mir der Grundsatz: Es muss wohlwollend und nützlich sein. Sonst lass ich es lieber.
  11. Nimm eine delegierte Aufgabe nicht zurück, nur weil sie anders läuft als bei dir.
  12. Frag aktiv nach: „Hast du alles, was du brauchst, um die Aufgabe zu erledigen?“


Netzwerke, Vorbilder und Verbündete

  1. Nutze Coaching oder Begleitung, um Unsicherheiten zu klären und authentischer zu führen. Dein eigenes Führungsverhalten zu reflektieren, kann dir helfen, bei dir zu bleiben und besser in deiner Aufgabe zu werden.
  2. Positionier dich bewusst als Vorbild für andere Frauen in deinem Umfeld. Wir brauchen dich, um zu zeigen, dass Frauen auch führen können.
  3. Knüpfe gezielt professionelle Netzwerke, auch Frauennetzwerke. Achte bewusst darauf, dass du auch nach „oben“ netzwerkst. Welche Menschen bewunderst du, welche dienen dir als Vorbild.
  4. Gewinn Männer aktiv als Verbündete für fairere Strukturen, statt sie nur als Zuschauer zu sehen.
  5. Erkenne an, dass zuhörendes, analytisches Führen genauso kompetent ist wie laute, dominante Führung. Wir sind alle unterschiedlich, Führung darf es auch sein.

*Thomas ist nicht der echte Name, ich habe ihn für diesen Artikel geändert.

Katrin Weber Blog

Hi, ich bin Katrin

Als Business und Leadership Coach begleite ich Frauen in Führung und solche, die in Führung gehen wollen dabei, ihren eigenen Führungsstil zu entwickeln, souverän zu führen und authentisch zu bleiben – und dabei stets ihr Leben und die Menschen im Blick zu behalten.

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